Libertalia 2.0 – Diskutieren, debattieren, definieren

Wenn das Publikum die Show macht, ist das ein risikoreiches Unterfangen für den Stückentwickler. Philipp P. Ehmann hatte in diesem Fall aber Glück, da die auserwählten Diskutant*innen ihre spontan vergebenen Rollen ausgezeichnet und mit voller Diskussionsbereitschaft verkörperten.

Treffpunkt war das Foyer des Schauspielhauses am 06. Juni wo ein junger, konservativ gekleideter Mann, die Teilnehmer empfing und, nach einer kurzen Ansprache, von dort aus an eine andere Location brachte. In einem großen Saal waren, sowohl für die neu erkorenen Politiker, als auch deren Publikum ein Podium mit Sesseln bereitgestellt. Eine kurze Erläuterung der Spielregeln hat sofort klar gemacht: heute solls zur Sache gehen. Das Publikum konnte Aktionskarten einsetzen, um die Redner vom Sprechen abzuhalten oder selbst einen Platz am Podium einzunehmen.
Thema des Abends war Gleichberechtigung im neuen Staat Libertalia 2.0 und Ziel war es, einen Gesetzesvorschlag zu formulieren, der schon vorhanden war, aber an dem noch gefeilscht werden musste, bis alle Diskutant*innen damit einverstanden waren.

Nachdem sich die spontan ernannten Schauspieler etwas aufgewärmt hatten, ging es auch schon fleißig los mit der Diskussion und es wurde sich an einzelnen Worten aufgehängt, über bestimmte Phrasen debattiert und erörtert, warum was nicht so formuliert sein sollte. Das Publikum war im ersten Zeitblock noch sehr verhalten und so plätscherte der Abend ein wenig dahin. Nachdem das Publikum begriffen hatte, dass es den Diskutant*innen ein wenig schwer fiel zu Ergebnissen zu kommen, wurden mehr Aktionskarten ausgespielt und sich mehr eingemischt.

Das spannende Experiment wurde nach über einer Stunde konferieren, besprechen und verhandeln beendet und der unvollständige Gesetzesvorschlag wurde vom Publikum bei einer Blitzwahl angenommen. Danach wurde den Teilnehmern vom jungen Herrn mitgeteilt, das Experiment habe Früchte getragen und sie wurden in ihr normales Leben entlassen.

Ein sehr spannender Abend, dessen Hintergrundgedanke es vermutlich war, mehr Zwiespalt in die Runde zu bringen und mehr Diskussionen hervorzurufen. Da aber das Publikum offensichtlich für Gleichberechtigung im Staat Libertalia 2.0 war und die Gesetzesvorschläge harte Brocken waren, war der Abend definitiv etwas anderes. Ob das auch das Ziel des Stück-Entwicklers Philipp J. Ehmann und den Dramaturginnen Elisabeth Geyer und Jennifer Weiss war, bleibt unklar.

Von Stefanie Lorber

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