{"id":298,"date":"2023-06-24T10:37:11","date_gmt":"2023-06-24T10:37:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/?p=298"},"modified":"2023-06-24T10:37:11","modified_gmt":"2023-06-24T10:37:11","slug":"keinen-fisch-fischt-fischer-fritz-mehr-kan-anzigen-%ef%bf%bc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/blog\/2023\/06\/24\/keinen-fisch-fischt-fischer-fritz-mehr-kan-anzigen-%ef%bf%bc\/","title":{"rendered":"Keinen Fisch fischt Fischer Fritz (mehr). Kan anzigen.\ufffc"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u201eFischer Fritz\u201c, ein zeitgen\u00f6ssisches Sprechst\u00fcck von Raphaela Bardutzky, das im Schauspielhaus Graz am 22.06.2023 uraufgef\u00fchrt wurde. Es ist gepr\u00e4gt von Wehmut, Schuld und h\u00f6chst-gelungener Sprachkunst.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWas soll werden, wenn nichts mehr wird?\u201c, diese Frage stellt sich Fritz, Fischer dritter Generation, dieser nach einem Hirnschlag nicht mehr st\u00f6rungsfrei reden und \u00fcberhaupt nicht mehr fischen kann. Er m\u00f6chte heim, nicht&nbsp;<em>in<\/em>&nbsp;ein Heim, einfach nur&nbsp;<em>heim<\/em>. Sein Sohn Franz, verk\u00f6rpert durch Sebastian Pass, organisiert eine ukrainische Pflegekraft, Uljana, gespielt von Alina Danko, f\u00fcr ihn. Gemeinsam stellen sie sich den H\u00fcrden des alt werdens, der Pflegekrise und der Ausbeutung des Pflegepersonals des Ostens.<\/p>\n\n\n\n<p>Das B\u00fchnenbild vereint Darsteller und Publikum. Die Zuschauer:innen nehmen an einem gro\u00dfen, ovalen Tisch Platz, der von drei Gl\u00fchbirnen beleuchtet wird. Die Schauspieler bewegen sich frei im Raum und setzen sich abwechselnd zum Publikum, an den Tisch. Dies verleiht das Gef\u00fchl, im selben Boot zu sitzen und die Gef\u00fchle, wie Anspannung, Angst und Unsicherheit hautnah zu sp\u00fcren. Die \u00dcberforderung der jungen Generation, Konflikte zwischen den Generationen, Hitzewelle und das Sinken der Pegelst\u00e4nde der Fl\u00fcsse lassen nicht nur die Forellen verzweifelt nach Luft schnappen, sondern auch das Publikum.\u00a0All diese privaten und \u00f6kologischen Herausforderungen werden spielerisch und mit gro\u00dfer Sprachkunst wiedergegeben. Es besteht ein kontinuerliches Pendel zwischen Sprache und Sprachlosigkeit. Es scheint, also ob die schwierigsten und kompliziertesten W\u00f6rter ironischerweise f\u00fcr die Rolle der Uljana ausgew\u00e4hlt wurden. Reime, Wortspiele, Dialektw\u00f6rter wie \u201eDivan\u201c oder \u201eGrie\u00dfnockerlsuppn\u201c \u2013 nichts wird vorenthalten. Gro\u00dfe Sprechartistik, die selbst f\u00fcr jede deutsche Muttersprachlerin herausfordernd w\u00e4re, aber von Alina Danko gro\u00dfartig gemeistert wird. Der Sohn, Franz, ist charakterisiert durch sein Raunzen oder seinen humorvollen Sprachgebrauch, zum Beispiel wenn er den Herrgottswinkel als \u201eHerrgott mit Sixpack\u201c beschreibt. Immer wieder schafft er es somit, das Publikum bei Laune zu halten und etwas Leichtigkeit in die Atmosph\u00e4re zu bringen. Allerdings kommt es im Gespr\u00e4ch zu seinem Vater immer wieder zu Kurzschl\u00fcssen. Blitzartigen Aust\u00e4uschen. Die Spannung ist am H\u00f6hepunkt. Der Sprachstrom ist unruhig und schwankt, wie der Wasserspiegel am See, kurz bevor ein Unwetter auftritt. Fritz wiederum k\u00e4mpft mit der Sprache, um W\u00f6rter. Er kommuniziert mit dem Publikum und den anderen Darsteller:innen, ohne wirklich viel zu sagen: seine K\u00f6rpersprache und Blicke, sprechen B\u00e4nde. Seine Gedanken werden oft als Audio eingespielt,\u00a0\u00a0als ob man einen direkten Eiblick in seinen Kopf h\u00e4tte. \u00c4ngste, Sorgen und die Bef\u00fcrchtung, eine Last zu sein werden sp\u00fcrbar nah gebracht und wiederholen sich immer wieder, wie ein Teufelskreis und mit jedem Mal wird ein noch bedr\u00fcckenderes Gef\u00fchl ausgel\u00f6st.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Alle drei Darsteller:innen leisten eine schauspielerische, sprachliche und k\u00f6rperliche Meisterleistung, da sie ihre Monologe sehr konkret liefern und diese mit der authentischen K\u00f6rpersprache untermauern. Sie steuern eine Achterbahn voller Gef\u00fchle bei jener kaum ein Auge des Publikums trocken bleibt. Eine direkte Antwort auf die Frage, was werden soll, wenn nichts mehr wird, gibt es nicht. Aber man soll reden und zuh\u00f6ren. Und vor allem: sich dabei ins Gesicht schauen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eFischer Fritz\u201c, ist h\u00f6chste Sprachpoesie und dennoch eine tiefgr\u00fcndige Inszenierung von Julia Skof, die die drei Figuren trotz ihrer unterschiedlichen Lebenserfahrungen in einer ruhigen und aussagekr\u00e4ftigen Sprachmelodie vereint und auf ein brennendes, aktuelles Thema aufmerksam macht.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Von Katharina Stern<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eFischer Fritz\u201c, ein zeitgen\u00f6ssisches Sprechst\u00fcck von Raphaela Bardutzky, das im Schauspielhaus Graz am 22.06.2023 uraufgef\u00fchrt wurde. 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