{"id":292,"date":"2023-06-23T08:32:22","date_gmt":"2023-06-23T08:32:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/?p=292"},"modified":"2023-06-23T11:51:46","modified_gmt":"2023-06-23T11:51:46","slug":"verbrannte-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/blog\/2023\/06\/23\/verbrannte-erde\/","title":{"rendered":"Verbrannte Erde\u00a0"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Das Berliner Performancekollektiv She She Pop begeisterte mit ihrem St\u00fcck \u201eMauern\u201c. Es ist die gedankliche Weiterf\u00fchrung des Vorg\u00e4ngers \u201eSchubladen\u201c. Motto: Weg von der Vergangenheit, hin zur Zukunft.&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Erde war w\u00fcst, leer und es war finster (1.Mose 1,1-2). She She Pop skizziert einen d\u00fcsteren Spiegel der Gegenwart. Einstige Utopien br\u00f6ckeln wie die \u00dcberreste der Berliner Mauer. Genauso por\u00f6s, gleicherma\u00dfen anachronistisch. Doch was ist nur aus unseren k\u00fchnen Tr\u00e4umen und unbeirrten Hoffnungen geworden?<\/p>\n\n\n\n<p>Sebastian Bark, Annett Gr\u00f6schner, Lisa Lucassen, Mieke Matzke und Peggy M\u00e4dler sowie zwei digital zugeschaltete Darstellerinnen werfen den Blick in eine m\u00f6gliche Zukunft. Ausgangspunkt ist eine B\u00fchne, ges\u00e4umt von chaotisch durcheinander geworfenen B\u00fccherstapeln. Alle Titel sollen rigoros in brauchbar und unbrauchbar kategorisiert werden. Doch welche Themen haben noch Relevanz f\u00fcr ein vision\u00e4res Morgen? Eine Entsagung alter Ideologien und verstaubter Biografien. Die DarstellerInnen gehen der Aufgabe im nat\u00fcrlichen Dialog und konfusem Miteinander nach. Dabei werden immer wieder neue Umgangsregeln f\u00fcr das Kollektiv aufgestellt. Diese hyperp\u00e4dagogischen Kommunikationsweisen stehen im Kontrast zu dem tiefgr\u00fcndigen Intellekt der Diskussion und erregen einige Publikumslacher. Schnell wird klar: Wir schreiben noch in B\u00fcchern, die wir l\u00e4ngst weglegen wollten. Klimawandel, der Kollektivismus und Kriege sind allgegenw\u00e4rtiger denn je. Unsere Gegenwart als gescheitertes Projekt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mittels aufwendiger Lichtinstallationen wird die B\u00fchne in eine skurrile Traumlandschaft verwandelt, die die Grenzen zwischen Materie, Zeit und Vorstellung aufl\u00f6st. Es werden riesige Bilder von einsamen Orten ausgestrahlt, in die die PerformerInnen eintauchen. In diesem Portal wandeln sie zwischen den Dimensionen und lassen die Grenzen der Wirklichkeit verschwimmen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als verworrenes Labyrinth. Doch wo stehen wir jetzt? Die Grafiken sind in mehrere Ebenen geschichtet, durch die die SchauspielerInnen orientierungslos wandeln. Keine Richtung, kein Entkommen. Abgestimmte, grelle Lichteffekte und eine durch T\u00fccher geschichtete B\u00fchne erzeugen ein visuelles Meisterwerk. Eine optimal durchdachte Gestaltung schafft eine irisierende Illusion, die einen einzigartigen Theaterbesuch garantiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Doch eine Tatsache kristallisiert sich unumg\u00e4nglich aus dem Chaos: unsere Zukunft liegt brach wie verbrauchter Ackergrund. Diese d\u00fcstere Verhei\u00dfung l\u00f6st ein andauerndes Gef\u00fchl der Beklommenheit aus. She She Pop inszeniert eine tiefgreifende Metakritik durch einen nat\u00fcrlichen und vollkommen authentischen Einsatz der SchauspielerInnen. Diese Nahbarkeit erlaubt kein Verstecken. Wir alle sind Adressaten des Tadels. Eine bittere Pille im Abgang, die gekonnt den eigenen Kern trifft.<\/p>\n\n\n\n<p>Das St\u00fcck endet in einer ideologischen Zuspitzung als Wegweiser f\u00fcr eine Revolution. Euphorisierend wird eine Utopie als Ausweg aus dem Dilemma gezeichnet. Erleichtertes Aufatmen. Verbrannte Erde kann man kompostieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Von Christina B\u00f6sel<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/mauern-c-dorothea-tuch-1024x682.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-296\" srcset=\"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/mauern-c-dorothea-tuch-1024x682.jpeg 1024w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/mauern-c-dorothea-tuch-300x200.jpeg 300w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/mauern-c-dorothea-tuch-768x512.jpeg 768w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/mauern-c-dorothea-tuch-1536x1023.jpeg 1536w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/mauern-c-dorothea-tuch-1200x800.jpeg 1200w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/mauern-c-dorothea-tuch.jpeg 1600w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>(c) Dorothea Tuch<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Berliner Performancekollektiv She She Pop begeisterte mit ihrem St\u00fcck \u201eMauern\u201c. 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