{"id":245,"date":"2022-06-11T12:27:19","date_gmt":"2022-06-11T12:27:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/?p=245"},"modified":"2022-06-11T12:27:59","modified_gmt":"2022-06-11T12:27:59","slug":"hoffnung-auf-eskalation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/blog\/2022\/06\/11\/hoffnung-auf-eskalation\/","title":{"rendered":"Hoffnung auf Eskalation"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die \u00f6lgetriebene Apokalypse steht vor der T\u00fcr. Die Zeit ist knapp. Positive Ver\u00e4nderung nicht in Sicht. Und doch findet das Medium der B\u00fchne einen Weg zur unterhaltsamen Eskalation.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Frauen wollen die Welt retten. Schluss mit der Luftverschmutzung, der kapitalistischen Gier und dem Klimawandel. Der \u00d6lhahn muss zugedreht werden, bevor es zu sp\u00e4t ist und die Welt endg\u00fcltig in ihrem Wandel verbrennt. Dies ist das Ziel. Der Schl\u00fcssel die Adria-Wien-Pipeline.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201ewas z\u00fcndet, was brennt\u201c ist nicht nur ein St\u00fcck zur Aufkl\u00e4rung der Erderw\u00e4rmung, sondern eine Aufforderung, die dem Gewissen m\u00e4chtig einheizt. Doch was nach abgekauter Predigt klingt, ist vielmehr eine Komposition aus Fakten, Moral und Humor, die weder erm\u00fcdend noch langweilig ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Inszenierung von Marie Bues schafft es trotz der schwer verdaulichen Thematik, den Blick an die Szenerie zu binden. Die alufolien\u00fcberzogene B\u00fchne, in Bildschirmkastenform (Pia Maria Mackert), die k\u00fcnstlerischen Videoclips (Grigory Shklyar) und bange, aber auch erheiternde Musik (Johannes Frick) strahlen alleinstehend schon eine starke Spannung aus.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fchne und Technik schmieden ein simples, aber einpr\u00e4gsames Bild, das mit einer gro\u00dfartigen Darbietung des futuristischen Darstellerquartetts verschmelzt. Sei es Lisa Birke Balzers und Katrija Lehmanns in Sarkasmus getunkte Ernsthaftigkeit, Nico Links fesselnde Stimme oder Lukas Walchers charmante Darstellung eines Plastik-Dinos, dem die Luft ausgeht. Ein Ensemble, das einerseits hemmungslos Chips in sich reinschaufelt, anderseits durch lichtprojiziertes \u00d6l langsam erstickt. Eine hervorvorragende Dynamik.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem geschickten Zusammenspiel aller Zutaten wird dem Publikum eine Realit\u00e4t serviert, die aktueller nicht sein k\u00f6nnte. Unbedachte Verschwendung von Ressourcen, steigende Spritpreise und das vorhandene Wissen \u00fcber die Probleme, aber der Mangel zur eigenen Initiative. \u201ewas z\u00fcndet, was brennt\u201c will nicht zum Nachdenken auffordern, sondern zum Handeln. Denn eine Eskalation ist unaufhaltsam, aber ihr Ausl\u00f6ser und Verlauf noch kontrollierbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Magdalena Schrefels St\u00fcck bringt das Thema schonungslos auf den Punkt, aber l\u00e4sst den Zuschauer nicht voller Zweifel nach Hause gehen, sondern mit Antworten, die im Kopf bleiben und dem Antrieb der Hoffnung. Ein wichtiger Theaterabend f\u00fcr jeden Einzelnen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lisa Fuchs<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00f6lgetriebene Apokalypse steht vor der T\u00fcr. Die Zeit ist knapp. Positive Ver\u00e4nderung nicht in Sicht. Und doch findet das Medium der B\u00fchne einen Weg zur unterhaltsamen Eskalation. Zwei Frauen wollen die Welt retten. Schluss mit der Luftverschmutzung, der kapitalistischen Gier und dem Klimawandel. 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