{"id":224,"date":"2022-06-10T07:33:40","date_gmt":"2022-06-10T07:33:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/?p=224"},"modified":"2022-06-10T14:38:26","modified_gmt":"2022-06-10T14:38:26","slug":"schonungsloser-weltschmerz-und-ein-funken-hoffnung-%ef%bf%bc","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/blog\/2022\/06\/10\/schonungsloser-weltschmerz-und-ein-funken-hoffnung-%ef%bf%bc\/","title":{"rendered":"Schonungsloser Weltschmerz und ein Funken Hoffnung"},"content":{"rendered":"\n<p>Utopie oder bald Realit\u00e4t \u2013 die deutschsprachige Erstauff\u00fchrung von Hirschfell (Hertenleer) im Theater am Lend (Regie: Sandra Sch\u00fcddekopf) zeichnet das unter die Haut gehende Bild einer postapokalyptischen Welt. Mehr als nur ein Monolog.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein modriger Waldgeruch durchflutet den Saal, passend zu den Holzsp\u00e4nen und Baumst\u00fcmpfen auf der B\u00fchne, ein feuchter Dampf liegt in der Luft. Was dem Publikum hier dargeboten wird, ist Weltschmerz mit allen Sinnen. Rot aufflackerndes Licht, durch das Publikum wandernde Ger\u00e4usche und Umgestaltungen im B\u00fchnenbild sind genau aufeinander abgestimmt, wenn Nataya Sam als einzige Schauspielende verschiedene durch globale Erw\u00e4rmung verursachte Zukunftsszenarien f\u00fcr ihr ungeborenes Kind entwirft. So spricht sie in ihren Bauch hinein und gleichzeitig zum Publikum in der Du-Form: vom nackten \u00dcberleben im Wald, dessen matschiger Boden kein Leben mehr birgt, von Fluchterfahrungen an hohen Mauern, und auch von einer Schifffahrt zu einer lebenswerteren Welt. Unklar bleibt, welches der beklemmend realistisch dargestellten Szenarien eintreten wird. Hier k\u00e4mpft das schwangere Ich f\u00fcr eine Zukunft, in der es sich f\u00fcr ihr Kind noch zu leben lohnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nataya Sam erweckt den ohnehin schon bildreichen Text von Anna Carlier (aus dem Niederl\u00e4ndischen von Christine Bais) durch bemerkenswertes Schauspiel zum Leben. Ihre k\u00fcnstlerische Darbietung umfasst weit mehr als nur das Vortragen des Monologs \u2013 es werden R\u00fcckw\u00e4rtsrollen gemacht, Holzscheite gehackt und W\u00e4nde bespr\u00fcht; alles souver\u00e4n inmitten des Textes, der in- oder au\u00dferhalb eines schlichten Glaskastens gesprochen wird. Sams Bewegungen weisen ein Spektrum von elegant und t\u00e4nzerisch, bis hin zu fast wutentbrannt auf und schmiegen sich immer an den gerade pr\u00e4senten Inhalt sowie ihren mimischen Ausdruck.<\/p>\n\n\n\n<p>Was im wunderbaren Zusammenspiel von Licht (Nina Ortner), Sound (Rupert Derschmidt) und szenischer Ausstattung (Lisa Horvath) als utopische Zukunftsvision auf die B\u00fchne gebracht wird, behandelt das omnipr\u00e4sente Thema Klimakrise sowie daraus entstehende Migration<em>.<\/em>&nbsp;Ber\u00fchrend dargestellt wird eine geballte Ladung an schaurigen Bildern, aber auch ein Funken liebevoller Hoffnung einer Mutter f\u00fcr ihr ungeborenes Kind. Alles wird gut werden, Sweetheart. Ob das Publikum diesem Funken nach all den Katastrophenszenarien noch viel Bedeutung beimisst, sei dahingestellt. Mit Sicherheit kann man aber von einer auf allen Ebenen gelungenen Auff\u00fchrung sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Lena Gruber<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DF22_Hirschfell_TaL_c-rappel-64-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-242\" srcset=\"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DF22_Hirschfell_TaL_c-rappel-64-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DF22_Hirschfell_TaL_c-rappel-64-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DF22_Hirschfell_TaL_c-rappel-64-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DF22_Hirschfell_TaL_c-rappel-64-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DF22_Hirschfell_TaL_c-rappel-64-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/DF22_Hirschfell_TaL_c-rappel-64-450x300.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><figcaption>(c) Wolfgang Rappel<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Utopie oder bald Realit\u00e4t \u2013 die deutschsprachige Erstauff\u00fchrung von Hirschfell (Hertenleer) im Theater am Lend (Regie: Sandra Sch\u00fcddekopf) zeichnet das unter die Haut gehende Bild einer postapokalyptischen Welt. 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