{"id":136,"date":"2019-06-16T16:33:36","date_gmt":"2019-06-16T16:33:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/?p=136"},"modified":"2019-06-16T16:33:41","modified_gmt":"2019-06-16T16:33:41","slug":"black-white-human","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/blog\/2019\/06\/16\/black-white-human\/","title":{"rendered":"Black? White? HUMAN!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Mit ihrem Programm <\/strong><em><strong>Black Off<\/strong><\/em><strong> n\u00fctzen Ntando Cele und ihre schweizer Band den Grazer <\/strong><em><strong>Dom im Berg<\/strong><\/em><strong> als B\u00fchne zum Kampf gegen Rassismus und Vorurteile.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein &#8211; mit wei\u00dfem Licht\nhell beleuchteter &#8211; Schminkspiegel, der an vergangene Hollywood-Zeiten \u00e0 la\nMarilyn Monroe erinnert, strahlt von der B\u00fchne herab. Was danach kommt, kann\ndurchaus als Hollywood-reife Leistung bezeichnet werden: Ntando Cele \u2013 alias\nBianca White \u2013 betritt die B\u00fchne und der Name ist hier Programm: Wei\u00df, wohin\ndas Auge reicht \u2013 vom asiatischen Kimono \u00fcber die blonden Haare bis zur mit\nwei\u00dfer Schminke bemalten Haut, die die afrikanischen Wurzeln bestm\u00f6glich\nverdecken soll. Sich selbst als <em>Afropolitan<\/em> \u2013 also ein Mensch aus\nAfrika, der die Welt ohne sch\u00e4biges Boot bereist \u2013 bezeichnend, ist sie stolz\ndarauf, ihre <em>inner whiteness<\/em> gefunden zu haben. Doch, wie im richtigen\nLeben, kann auch Bianca White ihre wahre Identit\u00e4t nicht auf Dauer leugnen und\nso verwandelt sie sich im zweiten Teil in ihr Alter Ego, Vera Black, die als\nPunk-Rockmusikerin im Leder-Nieten-Body das genaue Gegenteil vom meditierenden,\nProsecco trinkenden Gutmenschen Bianca ist und ihren wei\u00dfen Mitmenschen\nunverschont ehrlich sagt, was sie von ihnen h\u00e4lt \u2013 n\u00e4mlich nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Die geb\u00fcrtige\nS\u00fcdafrikanerin Ntando Cele spielt in ihrem B\u00fchnenprogramm <em>Black Off<\/em> mit\nallgegenw\u00e4rtigen Stereotypen und allt\u00e4glichen, rassistischen Spitzfindigkeiten.\nDie Verschiedenheit der zwei Identit\u00e4ten, die in ihr wohnen, zieht sich durch\ns\u00e4mtliche Ebenen hindurch. W\u00e4hrend der erste Teil durch \u00fcberladene Kost\u00fcme und\nMaske gekennzeichnet ist, pr\u00e4gt nach der Pause Schwarz das Bild. Unterst\u00fctzt\nwird dieses Konstrukt der Antithese von einer grandiosen Band: Patrick Abt\n(Gitarre und Sidekick), Pit Hertig (Schlagzeug) und Simon Ho (Piano) entf\u00fchren\ndas Publikum mit ihren Kl\u00e4ngen anfangs in einen Jazz-Club, um am Ende bei einem\nRock-Konzert mit kritischen T\u00f6nen zu landen. Der zentrale Bruch beginnt kurz\nvor der Pause, als die Metamorphose einsetzt: Die \u00fcberladene Schminke wird auf\nder B\u00fchne abgewischt und das gesamte, maskenlose Gesicht der Darstellerin in\nseinen Einzelheiten via Kamera dargestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Verlauf des Abends\nwird das Repertoire an Klischees und Vorurteilen gegen\u00fcber den angeblich wei\u00dfen,\nintelligenten und kultivierten Europ\u00e4ern sowie den als dumm, ungebildet und\nversklavt dargestellten Afrikanern bis aufs Letzte ausgesch\u00f6pft. Da kann es nur\nals logische Schlussfolgerung angesehen werden, dass ein dunkelh\u00e4utiger Mann\naus dem Publikum auf die B\u00fchne geholt wird, um der wei\u00dfen Bianca White dienerartig\ndas Mikrofonkabel zu tragen. Auch die anschlie\u00dfende Aufforderung <em>Imagine,\nthere are just white people around us! <\/em>d\u00fcrfte ihn vor keine gro\u00dfe\nHerausforderung gestellt haben und sorgt f\u00fcr Lacher im Publikum, die einem bei\ngenauerem Nachdenken jedoch im Halse stecken bleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>Wie heikel das Thema in\nWahrheit n\u00e4mlich ist, zeigt sich, als sich Bianca White direkt an die\nZuschauerInnen wendet und die Frage stellt: <em>How do you call black people in\nAustria? <\/em>\u2013 Die Antwort: Stille. Auch die Videosequenzen und Fotos, die \u00fcber\neine Leinwand eingespielt werden, regen zum Nachdenken an: Warum nicht von einer\nWelt tr\u00e4umen, in der es keine Hautfarben gibt, in der alle einfach das sind, was\nsie sind \u2013 n\u00e4mlich Menschen?&nbsp; Am Ende\nbleibt die Erkenntnis, dass im Grunde alles doch sehr einfach w\u00e4re, wenn man\nsich endlich von alteingesessenen Mustern und Konventionen l\u00f6sen w\u00fcrde \u2013 die\nTatsache, dass f\u00fcr diesen Satz auch im Jahr 2019 noch der Konjunktiv verwendet\nwerden muss, ist jedoch bezeichnend. <\/p>\n\n\n\n<p>Ines H\u00f6lzl, Iris Liebminger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ihrem Programm Black Off n\u00fctzen Ntando Cele und ihre schweizer Band den Grazer Dom im Berg als B\u00fchne zum Kampf gegen Rassismus und Vorurteile. 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