{"id":130,"date":"2019-06-15T12:21:47","date_gmt":"2019-06-15T12:21:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/?p=130"},"modified":"2019-06-15T12:24:32","modified_gmt":"2019-06-15T12:24:32","slug":"niemand-hat-uns-jemals-gefragt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/blog\/2019\/06\/15\/niemand-hat-uns-jemals-gefragt\/","title":{"rendered":"Niemand hat uns jemals gefragt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Sieben M\u00e4dchen, eine\nKlassenfahrt \u2013&nbsp;und ein gro\u00dfer Skandal. Tanja \u0160ljivar rollt in \u201eDie\nDraufg\u00e4ngerinnen (All Adventurous Women Do)\u201c ein Medienereignis aus 2014 neu\nauf: In der Regie von Salome Dastmalchi entwickelt sich das Gastspiel des\nJungen Deutschen Theaters Berlin zu einem Abend, der sich kein Blatt vor den\nMund nimmt und dennoch lieber schweigt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sieben\nin orange Overalls geh\u00fcllte Teenager bewegen sich auf einer kleinen, steril\nwei\u00dfen B\u00fchne. Der Kontrast? Der k\u00f6nnte krasser nicht sein. So wie auch der in\nihren Leben, die damals noch anders waren. Damals, vor der Klassenfahrt. Damals\nwurden heimlich Zigaretten geraucht, heimlich \u00fcber die erste Liebe geredet,\nheimlich \u00fcber das erste Mal fantasiert. <\/p>\n\n\n\n<p>Heute\nsind sie zur\u00fcck. Heute halten sie \u201ein der rechten Hand die Zigarette, in der\nlinken den Schwangerschaftstest\u201c. Ana (Peter Steden), Ena (Eren G\u00fcndar), Ina\n(Livia Marlene Wolf), Ona (Marthe M\u00fcller L\u00fctken), Una (Chenoa North-Harder),\nLea (Emmi B\u00fcter), Mia (Bruno Liebler) sind schwanger, positiv. Zwischen damals\nund heute: f\u00fcnf Tage. F\u00fcnf Tage, und \u201ekeine kann sich genau erinnern, wie DAS\nwar, mit wem DAS war, warum DAS war\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201ePapa o\u00f9 t\u2019es?\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das\nSt\u00fcck bringt 90 Minuten Ungewissheit und die stete Frage nach dem WARUM, die\nbis zum Schluss nie beantwortet wird. Basierend auf einem medialen Skandal aus\ndem Jahr 2014, bei dem sieben bosnische Teenager schwanger von einer\nKlassenfahrt zur\u00fcckkehrten, l\u00e4sst die Regisseurin das Grundger\u00fcst der Handlung\nangelehnt an das Original und stellt sieben junge Personen auf die B\u00fchne, die\nselbst noch nicht viel vom Leben wissen, jedoch bereits ein neues in sich\ntragen. Die wei\u00dfe B\u00fchnenverkleidung (Ausstattung: Paula Wellmann) ist mit\nHashtags bedruckt und wird im Laufe des Abends mit Penissen und obsz\u00f6nen\nW\u00f6rtern bemalt \u2013 wie man das eben so macht auf Klassenfahrt. Bei der\nanf\u00e4nglichen Stricherlliste, wer denn der Vater sein k\u00f6nnte, wird noch viel\ngekichert. Passend dazu schallt Stromaes \u201ePapaoutai\u201c aus den Lautsprechern, so\nwie Nirvanas \u201eSmells Like Teen Spirit\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nPublikum sieht die sieben Teenager bei der Schwangerschaftsgymnastik und beim\nVorbereitungskurs, bei dem sie an ihren Alter Egos in Barbiepuppen-Form den\nrichtigen Umgang mit Kindern \u00fcben. Teenager und Barbies, Teenager und Sex.\nWelch Ironie. Gefragt werden sie niemals, nicht auf der Stra\u00dfe, nicht vom Arzt,\nnicht von den Eltern, nicht in der Schule, nicht vom Publikum. Das Thema \u2013 ein\nTabu. Wie soll denn das gehen, es sind ja schlie\u00dflich noch Kinder, werden die\nlangsam rund werdenden B\u00e4uche leichtfertig aus der Welt gelacht. Am Ende ist\ndann jedoch keinem mehr nach Lachen zumute. <\/p>\n\n\n\n<p>Dastmalchis Inszenierung wird durch das gro\u00dfartige schauspielerische Talent des jungen Ensembles zu einem kurzweiligen Abend mit hintergr\u00fcndiger Tiefe. Die AkteurInnen beeindrucken mit starkem, authentischem Spiel und verm\u00f6gen es, die heikle Thematik in jenem Schweigemantel zu servieren, der seitens der Gesellschaft nur mit Samthandschuhen angefasst wird. Denn am Ende \u201ehat noch niemand jemals gefragt\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Katharina Hoi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sieben M\u00e4dchen, eine Klassenfahrt \u2013&nbsp;und ein gro\u00dfer Skandal. 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