{"id":120,"date":"2019-06-13T14:37:02","date_gmt":"2019-06-13T14:37:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/?p=120"},"modified":"2019-06-14T09:42:59","modified_gmt":"2019-06-14T09:42:59","slug":"glauben-an-karlsson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dramatikerinnenfestival.at\/2018\/blog\/2019\/06\/13\/glauben-an-karlsson\/","title":{"rendered":"Glauben an Karlsson"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Es wird nass auf der B\u00fchne von Haus Eins:&nbsp;<\/strong><strong><em>Gespr\u00e4ch mit dem Regen<\/em><\/strong><strong>&nbsp;von\nStijn&nbsp;Devill\u00e9&nbsp;zeigt, wie Trauer und Verlust in Zeiten\nvon&nbsp;Web&nbsp;2.0 gehen kann. Wieso man&nbsp;ruhig mal an Karlsson vom Dach\nglauben darf. Und wieso Sterben nicht gleich der Tod der Hoffnung&nbsp;sein\nmusss.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Null. Eine Zahl, eine&nbsp;Linie rund um Leere.&nbsp;Eine Leere wie\njene, die der Unfalltod ihrer 14-j\u00e4hrigen Tochter Hanna in Adam (Tom\nVan&nbsp;Bauwel) und Nikki (Sara&nbsp;Vertongen) zur\u00fcckl\u00e4sst.&nbsp;Das\nEhepaar&nbsp;versucht&nbsp;einen Neustart in Singapur,wo sie als CEO einer\nNanotechnologie-Firma arbeitet und er&nbsp;als&nbsp;schreibblockierter\nAutor&nbsp;durch den&nbsp;Monsun&nbsp;streift \u2013 und sich beinahe\nselbst&nbsp;verlieren, denn f\u00fcr Eltern, deren Kind gestorben ist, gibt es kein\nWort. Schweigen ist aber auch nicht&nbsp;die richtige Medizin, wie das Ehepaar\nlangsam erkennt.&nbsp;T\u00fcrmt es sich anfangs&nbsp;bei den\nmorgendlichen&nbsp;Abschieden, wenn Nikki&nbsp;zur Arbeit&nbsp;geht, zwischen\nihnen wie eine Mauer, arbeiten sie Schritt f\u00fcr Schritt daran, sie einzurei\u00dfen,\nsich mitzuteilen und zuzuh\u00f6ren.&nbsp;Sich trotz Selbstvorw\u00fcrfen und Streits\nnicht unterkriegen zu lassen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Leere herrscht auch in&nbsp;der&nbsp;Wohnung: Tochter Hanna im\nw\u00fcrfelf\u00f6rmigen&nbsp;braunen Holzk\u00e4stchen&nbsp;ist neben\nder&nbsp;plastikverpackten&nbsp;Matratze&nbsp;das einzige M\u00f6bel.&nbsp;Eine\nf\u00fcnfteilige Glasfassade&nbsp;trennt den Wohnraum&nbsp;von&nbsp;den\nWolkenbr\u00fcchen, die im&nbsp;Monsun&nbsp;an der Tagesordnung&nbsp;und f\u00fcr das\nSt\u00fcck Quintessenz sind: Aus den therapeutischen Monologen Adams werden\nzunehmend Dialoge, denn der Regen antwortet. Nicht nur mit &nbsp;Hannas Stimme;&nbsp;der\nextra entwickelte \u201erain&nbsp;printer\u201c&nbsp;zeichnet W\u00f6rter&nbsp;in die\nTropfenfront. So wie Adam mit weicher und doch hoffnungsstarker Stimme Bilder\nin die&nbsp;K\u00f6pfe des Publikums&nbsp;malt, Visionen von Superb\u00e4umen mit\nSolarbl\u00e4ttern&nbsp;aufbl\u00fchen l\u00e4sst, w\u00e4hrend er&nbsp;auf den Spuren\nseiner&nbsp;physikbegeisterten Tochter wandelt&nbsp;und herausfindet, dass\nSicherheiten in der Quantentheorie&nbsp;durch Wahrscheinlichkeiten ersetzt\nwerden.&nbsp;Der gerade richtig dicke Mann in seinen besten Jahren k\u00f6nnte nicht\nbesser verk\u00f6rpert werden als von Van&nbsp;Bauwel.&nbsp;Ebenso&nbsp;Vertongen:&nbsp;Sie\nbraucht beim Applaus sichtlich Zeit, um&nbsp;sich wieder zu\nl\u00f6sen&nbsp;von&nbsp;der sterilen, aber verletzlichen Businessfrau,\ndie&nbsp;ihre Handcreme so akribisch auftr\u00e4gt wie\nDesinfektionsmittel&nbsp;und&nbsp;nur mit kontrollierbaren Situationen umgehen\nkann. Die&nbsp;verdr\u00e4ngen&nbsp;will und&nbsp;doch jeden Tag die\nNachrichten&nbsp;checkt, die immer noch regelm\u00e4\u00dfig an Hannas Facebook-Profil\ngeschickt werden.&nbsp;Verst\u00e4rkt wird die Intimit\u00e4t&nbsp;noch&nbsp;durch die\nzutiefst authentische Alltagssprache mit all ihrem Stocken und Fadenverlieren.\nUnd die Livemusik: Gerrit&nbsp;Valckenaers&nbsp;und\nGeert&nbsp;Waegeman&nbsp;fassen die Stimmung u.a.\nmit&nbsp;Klangschalen,&nbsp;Geige, Bass-Sax&nbsp;und Synthesizer&nbsp;so\ntreffend in T\u00f6ne, dass nicht nur einmal G\u00e4nsehaut aufkommt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das St\u00fcck ist\u00a0keine leichte\u00a0Kost. Es f\u00fchrt das Publikum durch Abgr\u00fcnde menschlicher Trauer, \u00a0schonungsloser, \u00a0selbstzerfleischender Offenheit\u00a0sowie\u00a0H\u00f6henfl\u00fcge der Erinnerung und gegenseitiger St\u00e4rkung. Trotz des schmerzvollen Themas\u00a0schafft\u00a0Devill\u00e9\u00a0eine Atmosph\u00e4re von Zuversicht, einen Silberstreif, der auch ohne\u00a0Katechismusfunktioniert. Daf\u00fcr mit ein bisschen\u00a0Glauben an das Unwahrscheinliche. Zum Beispiel Karlsson vom Dach.\u00a0<br><br> Lena Rucker<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird nass auf der B\u00fchne von Haus Eins:&nbsp;Gespr\u00e4ch mit dem Regen&nbsp;von Stijn&nbsp;Devill\u00e9&nbsp;zeigt, wie Trauer und Verlust in Zeiten von&nbsp;Web&nbsp;2.0 gehen kann. Wieso man&nbsp;ruhig mal an Karlsson vom Dach glauben darf. Und wieso Sterben nicht gleich der Tod der Hoffnung&nbsp;sein musss. Null. 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