Mit 14 hat man noch Träume.

In „Der Pakt“ gibt Regisseurin Uta Plate jungen Flüchtlingen und heimischen SeniorInnen eine Stimme. Ausgehend von der Frage „Was macht uns aus und warum?“ werden die jeweiligen Lebenswelten in mehreren Sprachen spielerisch verhandelt. Das Ergebnis, ein Projekt des Kunstlabor Graz, ist noch bis zum 11. Juni im Redoutensaal zu sehen.

Bilder von zerbombten Häusern auf einer Leinwand, die einer Bahnhofshalle mit sechs Ausfahrtsmöglichkeiten weichen. Züge rattern durch das Bild und verschwinden wieder hinter filigran gezeichneten Türen. Beinahe willkürlich scheint ein Zug die Tür mit der Aufschrift Graz genommen zu haben. „Ihre Papiere bitte!“ Das Eröffnungsstück nimmt das Motto des DramatikerInnenfestival „Rede!“ wörtlich. Denn genau das passiert über weite Teile des Stückes, zwei Mikrofone stets als wichtigste Requisiten zentral auf der Bühne.

Was spielerisch als Quiz oder Versteckspiel getarnt ist, entspricht einem ständigen Dialog zwischen zwei Mannschaften, bestehend aus acht Flüchtlingen vs. sechs österreichischen SeniorInnen. Auf Fragen nach Werten, Religion und Lebenswelt kann es vermeintlich keine Sieger geben. Doch es gewinnen schließlich beide Mannschaften und zwar gegenseitiges Verständnis. Eine spielerische Annäherung, die nicht zuletzt durch die hervorragenden Deutschkenntnisse der jungen ProtagonistInnen möglich wird.

Das Stück bietet Raum für Interpretation, ist manchmal verträumt infantil und trotzdem politisch. „Mit 14 hat man noch Träume.“ Ein Klassiker von Peggy March wird kurzerhand umgeschrieben und dient als Vorlage für persönliche Anekdoten. Es ist aber auch eine Anspielung darauf, dass sich viele erwachsene Flüchtlinge bei ihrer Ankunft als minderjährig ausgeben, um bessere Chancen auf Asyl zu haben.

Wie soll man sich in Österreich integrieren und sich etwas aufbauen, wenn man immer „AusländerIn“ bleibt? Wer Österreich mitgestalten will, braucht die nötigen Beziehungen. Dessen scheinen sich die jungen SchauspielerInnen bereits nach wenigen Monaten hierzulande bewusst: „Entschuldung, wozu braucht ihr uns?“ Offenbar in erster Linie dazu, um sportliche Erfolge „für Österreich“ zu erzielen.

„Der Pakt“ wirft immer wieder politische Fragen auf, die jedoch nur oberflächlich beantwortet werden. Dadurch behält das Stück seine Leichtigkeit und seinen Humor. Regisseurin Uta Plate zeichnet das Bild eines positiven, pluralistischen Miteinanders.

Weitere Termine: 7., 8., 9., 11. Juni 2018, um 19:30 Uhr im Schauspielhaus Graz

Von Cornelia Knabl

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